Der heutige Übungsabend handelte nicht vom Funkenflug im Brandfall, sondern thematisierte Funksprache und -disziplin im Umgang mit dem Funkgerät im Einsatz. Das Funkgerät stellt in vielen Situationen die optimale Kommunikationsmöglichkeit dar, mit der sich Nachrichten über weite Strecken übermitteln lassen. Diesem Vorteil steht der Nachteil gegenüber, dass sich häufig die Kommunikationspartner („Sender“ und „Empfänger“) nicht sehen können, die Einsatzführung somit nicht direkt das Geschehen an der Einsatzstelle (visuell) überwachen kann. Damit dennoch eine Führung der Einsatzkräfte vor Ort möglich ist, muss sie über die Situation durch die Einsatzkräfte informiert werden, die ihrerseits über die nächsten Schritte in Kenntnis gesetzt werden möchten. Somit muss klar sein, wer wem welchen Nachrichteninhalt zukommen lassen möchte, oder kurz: Funksprache und -disziplin bewahren uns vor dem Kommunikationschaos im Einsatz. Damit ein Nachrichtenaustausch auf technischer Ebene (Physik) und auf Ebene der Zeichen (Semiotik) im Einsatz gelingen kann, wurde eine feuerwehreigene Funksprache entwickelt, die gewissermaßne als standardisierte „Rahmensprache“ fungiert. Sie muss wie jede Sprache gelernt und immer wieder angewendet werden.

Im Einsatz greifen Funksprache und Funkdisziplin insofern ineinander, als dass sich Informationskomplexität durch die formale Sprache („Funksprache“) reduzieren lässt und die Übertragungswahrscheinlichkeit durch das Umsetzen von Vorschriften (=Disziplin) erhöhen lässt, mit denen die Reihenfolge des Absetzens von Nachrichten vorgegeben wird. In ihrer Wechselwirkung ermöglichen beide eine erfolgreiche Kommunikation und in der Folge eine zielorientierte Führung der Einsatzkräfte, insbesondere dann, wenn die Einsatzlage komplex ist, keine unmittelbare Kommunikation zwischen den Hilfskräften möglich ist und sie daher aus der Distanz geleitet bzw. geführt werden müssen.

Der Vorteil einer derartigen (halb)standardisierten Rahmensprache ist, dass mit ihrer Anwendung die Verständlichkeit erhöht und der Austausch von Inhalten auf das Notwendigste reduziert wird. Wie bereits angedeutet, wird die Komplexitätsreduktion dadurch ermöglicht, dass sich die Funksprache grundsätzlich aus Befehlen, Fragen und (Status-)Meldungen zusammensetzt. Zur Erinnerung: Die Funkdisziplin organisiert dagegen die eingesetzte Funksprache, in dem sie Regeln bereitstellt, die bestimmen, wann eine Nachricht über Funk abgesetzt werden darf. Mit ihren Regeln ermöglicht sie somit den Funkverkehr. Wer beispielsweise eine Kommunikation eröffnen möchte, muss zuerst (a) den Rufnamen des Empfängers, (b) dann den eigenen Rufnamen nennen und abschließend (c) mit dem Befehlkommen“ zur Reaktion auffordern: „Leitstelle für 18-40-11, kommen“. „Oha, welch‘ rauher Ton im Feuerwehrfunk! Hier wird nicht ‚Bitte‘ oder ‚Danke‘ gesagt“, wird der geneigte Leser jetzt denken. Das Gegenteil ist der Fall! Weil wir uns alle blind vertrauen und uns so gut verstehen, verzichtet der Feuerwehrfunk auf den Austausch von Höflichkeiten. Sollte doch einmal ein „Bitte“ oder ein „Danke“ zu hören sein, schadet es nicht, und ist umso mehr Ausdruck unseres guten kameradschaftlichen Umgangs untereinander. Der Empfänger dieser Nachricht antwortet auf diese Kommunikationseröffnung durch Nennen seines eigenen Rufnamens, gefolgt von der Aufforderung zur Reaktion („kommen“). In unserem Beispiel: „Hier Leitstelle, kommen“. Erst jetzt „steht“ die Verbindung, und es können Nachrichten, genauer: Befehle, Fragen oder Meldungen (s.o.) gesendet werden.

Nachdem Stephan Mainka uns in die Handhabung der digitalen Funkgeräte eingewiesen hatte, durften wir uns ausprobieren. Allerdings nicht ohne eine Aufgabe (–natürlich nicht! Was anderes hätten wir nicht erwartet!). Unsere Aufgabe bestand in der Ortsabfrage zu vorgegebenen Koordinaten, die Simon Dillmann in mühevoller Detailarbeit herausgesucht und uns als Liste vorgelegt hatte. Kartenlesen? Was sich wohl wie eine Reise zurück in die analoge Welt der 90er Jahre fühlte, gehört jedoch auch heute noch zu den Kompetenzen der Feuerwehr! Warum sollte heute noch in Zeiten von Smartphones, Tablets und Mobile Internet solch‘ scheinbar antiquierte Informationsquellen verwendet werden? Ein wichtiges Argument ist, dass sie eben nicht von der Stabilität und Stärke eines Mobilfunknetzes oder eines Geräteakkus abhängig sind und bei genügend Umgebungshelligkeit jederzeit verwendet werden können. So trainierten wir gleich zwei neue Fertigkeiten, die zur funkgestützten Kommunikation und die des Kartenlesens. Nur noch einmal zur Erinnerung: „Erst die Länge, dann die Breite – so findet sich zu jeder Koordinate auch der passende Ort! Und somit auch zi8elsicher unser nächster Einsatzort!