Heute hatten wir ein Thema, mit dem wir bislang nicht so viele Berührungspunkte hatten, nämlich das Absichern von Einsatzstellen. Ein Blick auf die Karte sagte uns schnell: „Beschäftigt euch mit dem Thema, denn es gibt genaug Straßen in und um Klein Escherde!“ Auch wenn man es kaum glauben mag, Klein Escherde ist sogar an die B1 „angeschlossen“, weshalb wir durchaus bspw. für technische Hilfeleistung bei Verkehrsunfällen gerufen werden könnten. Bevor aber das eigentliche Arbeiten vor Ort beginnen kann, müssen zuerst die Rahmenbedingungen hierfür stimmen. Im Blickpunkt heute stand die Sicherheit, die nicht nur die Unfallbeteiligten, Verkehrsbeteiligten, sondern auch auf uns Feuerwehrkräfte umfasst! Welche Aspekte sollten bei der Absicherung einer Unfallstelle berücksichtigt werden?

Klar, wir alle müssen gut kenntlich sein; hier helfen uns sicher die Reflektorstreifen an unseren Jacken und Hosen! Aber sind diese ausreichend genug? Klarer Fall: Es kommt drauf an – nämlich, welche Jacke und welche Hose getragen werden – und nach einer Aufklärung durch Julian, unserem heutigen „Übungsleiter“, – war mir klar, dass meine Ausrüstung hierfür nicht ausreicht. Die Folge: Ich darf im Einsatz zur guten alten Warnweste greifen (mindestens der DIN EN 471 Warnklasse 2 entsprechend), die uns Autofahrern bekannt ist und immer im Auto griffbereit (!) liegen sollte. Daneben gibt es Pylonen, Blaulicht auf den Fahrzeugen, diverse Leuchtmittel und eine kleine Kelle mit rotem Licht. Und somit lernte ich einen zentralen Satz an diesem Abend: „Wir stoppen den Verkehr, wir regeln ihn nicht!“ Daher, liebe Auto- und Radfahrer, bleibt einfach vor der Absperrung (!) stehen, wenn ihr demnächst eine/n unserer Kameradinnen und Kameraden seht, die/der die Kelle hoch hält (vertmutlich werde ich es sein!). Bitte habt zusätzlich Verständnis dafür, dass wir ungern mit euch darüber diskutieren, ob eine Vollsperrung notwendig ist, oder nicht. Macht es uns in solchen Situationen nicht schwerer, als es in so einem Einsatz ohnehin ist!

Neben der persönlichen Sichtbarkeit spielt ein weiterer Aspekt der Absicherung eine zentrale Rolle: die Gestaltung des verkehrsfreien Bewegungsraum für die Einsatzkräfte. Als optimaler Arbeitsbereich gilt ein durch Pylonen gekennzeichneter Bereich mit einem Abstand von 1,5m um das Einsatzfahrzeug herum, wobei dieser für den hinteren Fahrzeugbereich auf 8m erweitert wird. Diese Kenngrößen gelten auch zur seitlichen Sicherung an der Unfallstelle, wenn eine Vorbeifahrt noch möglich sein sollte. Als Vorwarnung soll auf die Einsatzstelle innerorts bei (idealisiert) gerade Streckenführung im Abstand von 100m um diesen Arbeitsbereich in alle fahrbaren Richtungen durch den Einsatz von Warndreiecken und Leuchtmitteln aufmerksam gemacht werden, außerorts 200m (auf Autobahnen 800m). Daneben müssen alle Fahrzeugleuchten (wie Abblendlicht, Blaulicht etc.) eingeschaltet werden. 

Vor Beginn des praktischen Übungsteils gab es an diesem Abend zum Abschluss noch weitere Hinweise zur Sicherheit in Form guter Ratschläge:

  • Der Ausstieg aus dem Fahrzeug erfolgt auf der dem Verkehr abgewandten Seite.
  • Der Abstand eingesetzter Warngeräte sollte gleichmäßig sein.
  • Der Autofahrer bevorzugt klare Führungslinien, statt kurvig aufgestellter Pylonen (auch wenn sie aus ästhetischer Sicht interessanter erscheinen)
  • Nehmt immer die sicheren Wege beim Aufstellen und Betreten des Unfallortes (z.B. hinter Leitplanken laufen)
  • Es sollten immer Einsatzkräfte zur Beobachtung des Verkehrs abgestellt werden (vermutlich mein Schicksal), die bei Gefahr alle übrigen Personen warnen können! 
  • Achtet auf die Straßenführung: Auch Kreuzungen sollten bei der Sicherung des Unfallortes berücksichtigt werden (z.B. zusätzliches Warndreieck, Leuchtmittel etc.)
  • Beobachtet immer den Verkehr und verhaltet euch vorsichtig, wenn ihr mit dem Absichern des Unfallortes beginnt. Ihr kennt auch die Perspektive des Autofahrers und wißt, dass nicht immer alle Objekte und Personen gesehen werden! 

Diese und weitere Hinweise finden sich in der Feuerwehr-Dienstvorschrift 1 (FwDV 1), oder wie mir schnell bewusst wurde: Dem „Schlauen Buch“ der Feuerwehr, das auf alle (meine) Fragen eine Antwort zu geben weiß. In der Praxis durften wir die Theorie gleich in die Praxis umsetzen, in dem ein Sandhaufen den Unfallort auf der Hauptdurchgangsstraße von Klein Escherde markierte. Mir wurde die Aufgabe zuteil, die 100m-Vorwarnung zu errichten und ich kann unseren Leserinnen und Lesern versichern: 100m in beide Richtungen können wirklich lang sein! Auf dem Weg zum Aufstellort der Warndreiecke, Pylonen und Leuchtmittel musste ich mich immer wieder zum Fahrzeug umdrehen und konnte kaum glauben, noch nicht die 100m erreicht zu haben.

Es war ein interessanter Übungsabend mit einem Inhalt, der – wie die Knoten (!) – regelmäßige Übung bedarf. Im Namen aller Kameradinnen und Kameraden danken wir Julian für diesen gelungenen Dienst, die guten Erklärungen und pfiffigen „Ein- und Unfälle“ an diesem Abend!

Absichern einer Unfallstelle